Falk Ohne Akademie gehts
 

Falk: Ohne Akademie geht's auch

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  • 23.01.2012 | 07:55 | (sport10)

    Mit 16 Toren in Liga 2 hat Christian Falk für viel Aufsehen gesorgt. sport10.at sprach mit dem WAC-Bomber über seine unübliche Laufbahn, Ziele und einen möglichen Wechsel zum SK Sturm.

    Ruhig, zurückhaltend und ein bisschen schüchtern, aber vor dem Tor gefährlich wie Chuck Norris: das ist Christian Falk. Im Dress des WAC/St. Andrä mischte der 24-jährige Steirer im Herbst die zweite Liga auf und war mit 16 Toren hauptverantwortlich dafür, dass die Kärntner im Frühjahr um den Aufstieg in die Bundesliga kämpfen. Die Frage ist nur, ob der Tabellenzweite dann noch auf die Dienste seines Bombers zählen kann.

    Seine Leistungen blieben im In- und Ausland nämlich nicht unbemerkt. Eine Anfrage aus Deutschland soll es bereits gegeben haben, und auch Bundesligist Sturm soll den Stürmer gerüchteweise im Visier haben. Im Interview mit sport10.at erklärt Falk, warum ihn dieses angebliche Interesse besonders ehrt. Außerdem spricht der Selfmade-Fußballprofi über willenlose Akademie-Absolventen, seinen Aufstieg vom Unterliga-Kicker zum Profifußballer und die Saisonvorbereitung mit dem WAC.

    sport10.at: Christian, du hattest in den letzten Tagen und Wochen viel aufzuarbeiten. Du bist Führender der Schützenliste in der 2. Liga - das ist ja schon was, worauf man stolz sein kann.

    Christian Falk: Auf alle Fälle. Es ist das Ziel eines jeden Stürmers, dass er irgendwann mal ganz vorne steht. Wenn es dann gelingt, ist es natürlich schön. Ich mache mir aber eigentlich wenig Gedanken darüber. Wenn man Torschützenkönig werden will, funktioniert es eh nicht. Man kann es nicht erzwingen. Umso weniger man daran denkt, umso besser ist es.

    Irgendwie hat mich das Angebot von Rostock nicht zu hundert Prozent überzeugt.

    Eines ist dir zumindest damit gelungen - du hast im In- und Ausland die Aufmerksamkeit auf dich gezogen. Es soll sogar eine Anfrage von Hansa Rostock gegenben haben. Stimmt das?

    Das stimmt. Aber irgendwie hat mich das nicht zu hundert Prozent überzeugt. Ich weiß jetzt nicht, ob es stimmt - aber angeblich hat der Klub Geldprobleme. Außerdem ist der Verein Letzter in der zweiten Bundesliga. Das alles hat mich abgeschreckt.

    Verständlich. Aber es soll ja auch Interessenten aus der Bundesliga geben. Sturm Graz zum Beispiel.

    Davon habe ich noch nichts gehört, wenn ich ehrlich bin. Natürlich wär's nicht schlecht und mir würde es auch gefallen, wenn's so wäre...

    Eh klar, für dich als Steirer...

    (lacht) Der Großteil der Steirer ist Sturm-Fan.

    Also stehst du dem SK Sturm auch näher als zum Beispiel dem GAK oder Kapfenberg?

    Ja, auf jeden Fall. Ich bin ja so aufgezogen worden. Das liegt in der Familie. (lacht)

    Ob nun Sturm oder ein anderes Team - die Bundesliga wäre der nächste logische Schritt für dich. Immerhin hast du es ja schon von der Unterliga über die Regionalliga bis in die zweite Liga geschafft.

    Hoffen wir's. Mein Ziel ist die Bundesliga und ich hoffe, dass ich es irgendwann auch einmal erreichen werde.

    Es hat mir einfach nicht gefallen, und deswegen habe ich's gelassen.

    Du hast nie eine Akademie besucht, wie es heute eigentlich üblich ist. Wieso?

    Ich war einmal bei einer Auswahl dabei und habe zwei Trainings absolviert. Dann habe ich zu meinem Vater gesagt: "Du, das interessiert mich nicht so." Es hat mir einfach nicht gefallen, und deswegen habe ich's gelassen.

    ... und dann hast du dich nach oben gedient.

    Bis zu meinem 18. Lebensjahr habe ich zwei Mal in der Woche trainiert und hatte am Wochenende ein Spiel. Das war's. Aber in der Freizeit habe ich natürlich gekickt ohne Ende. Gemeinsam mit meinen Kumpels habe ich gespielt, bis es dunkel geworden ist, und das jeden Tag.

    Am Wochenende habe ich dann meistens U18 gespielt, dann noch in der Reserve und in der Ersten. In der vorletzten Klasse hab' ich ein paar Tore gemacht und bin dann zu Hartberg gegangen. Dort war ich eigentlich für die zweite Mannschaft vorgesehen, doch der Trainer der Ersten hat mich nach oben gezogen. Das war unglaublich und eine riesige Überraschung für mich. So hat sich das dann entwickelt.

    Defacto gibt's im Nachwuchs fast ausschließlich Akademie-Kicker. Wenn du dir deine Kollegen anschaust: Wo ist der Unterschied zu dir?

    Ich finde, wenn man eine Akademie absolviert, macht man das nicht aus eigenem Antrieb. Man wird dahin gedrängt, dass man jeden Tag Training hat, man muss dort hin und dort hin und dort hin. Die Kreativität und der eigene Wille der Fußballer geht dabei verloren.

    Oft bemerke ich auch, dass die Einstellung nicht zu 100 Prozent passt. Viele schätzen es nicht, weil sie schon seit zehn Jahren jeden Tag trainieren. Es gibt zurzeit ganze wenige Fußballer, die meinen Weg gegangen sind. Mit Einstellung und Einsatz kann man sicherlich vieles gutmachen. Ich will immer gewinnen - und sei es nur beim Kartenspielen mit meiner Freundin. (lacht)

    Ich werde oft darauf angesprochen, wo ich am liebsten spielen würde - und dann sage ich immer: England.

    Dazu fallen mir zwei Worte ein: Stefan Maierhofer. Er hat einen ähnlichen Weg eingeschlagen wie du. Macht ihn das für dich zu einem Vorbild?

    Nein, eher nicht. Aber es stimmt schon: Er ist wie ich einen anderen Weg gegangen, als die Lehrbücher es vorgeben. Man soll mit dem Fußball beginnen, die Technik schulen, Taktik trainieren. Er hat das alles mit Kampfgeist gemacht. Die Leistung hat zu 100 Prozent passt. Man sieht aber - und das ist vielleicht bei mir auch der Fall - dass die Technik etwas hintangestellt wurde. Man sagt dann vielleicht, er ist technisch nicht so gut. Aber er rennt eben um das mehr und hängt sich mehr rein als andere.

    Wer ist dann dein Vorbild?

    Roy Makaay. Er hat mir immer sehr getaugt. Jetzt ist es Peter Crouch. Das sind die zwei, die mir imponieren.

    Letzterer ist in England ja schon längst Kult. Ist die Premier League deine Lieblingsliga?

    Der englische Fußball taugt mir extrem. Ich werde oft darauf angesprochen, wo ich am liebsten spielen würde - und dann sage ich immer: England. Teilweise verstehe ich es nicht, wenn die guten jungen Österreicher nach Italien in die Serie B gehen, und nicht nach England, wenn sie die Chance dazu haben. Da sind nur die Taktik-Freaks zuhause.

    Gibt's bei dir so etwas wie einen Karriere-Plan?

    Nein. Ich lass' das alles auf mich zukommen. Je weniger man nachdenkt, desto besser. Wenn man sich etwas vornimmt, und dann tritt es nicht ein, ist man vielleicht zu sehr enttäuscht.

    Gar nicht enttäuschend war der bisherige Saisonverlauf für dich. Du kämpfst mit dem WAC um den Aufstieg in die Bundesliga. Wie läuft die Vorbereitung?

    Wir trainieren ziemlich hart, Trainer Nenad Bjelica gibt ordentlich Gas. Jeder kämpft, jeder haut sich rein. Man sieht, dass es um etwas geht im Frühjahr und dass alle an einem Strang ziehen. In den Testspielen gegen Kapfenberg und Sturm (0:1 bzw. 2:4, Anm.) haben wir sehr gut gespielt, am Ende hat nur die Kraft ein bisschen gefehlt, weil das Training an den Kräften zehrt. Ich glaube, dass wir auf einem guten Weg sind und wir im Frühjahr angreifen können.

    Wir müssen nicht aufsteigen, Altach will unbedingt. Vielleicht ist das ein Vorteil für uns.

    Für viele ist Altach der Favorit auf den Ausftieg, siehst du das auch so?

    Ja. Sie sind von den Namen her besser besetzt und haben einen größeren Kader. Damit können sie Ausfälle leichter kompensieren. Ich will damit aber nicht mein Team schlecht reden, ganz im Gegenteil. Wir müssen nicht aufsteigen, Altach will unbedingt. Vielleicht ist das ein Vorteil für uns.

    Du hältst bei 16 Treffern. Hast du dir eine Marke gesetzt, die du erreichen willst?

    Zu Beginn der Saison habe ich mir eine Marke gesetzt. Mein Ziel war, die 14 Tore des letzten Jahres zu überbieten. Das habe ich geschafft. Was jetzt kommt, ist Draufgabe. Wer weiß, vielleicht schieße ich ja keines mehr? (lacht)

    Wir wollen's nicht hoffen. Christian, danke für's Gespräch!

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