Thuerauer Wenn Fussall Krebs
 

Thürauer: Wenn Fußball den Krebs besiegt

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  • 13.02.2013 | 17:38 | (sport10)

    Woche für Woche geigt Lukas Thürauer in der Bundesliga auf. Dabei hätte es ganz anders laufen können. Mit 18 Jahren bekam er die Diagnose Krebs. Warum er dadurch stärker wurde und er da die wahren Freunde erkannte. Das sport10.at-Interview.

    Vor fast genau einem Jahr wechselte Lukas Thürauer von der Ersten Liga in die Bundesliga zur Admira. Nach einem holprigen Beginn startete er in der laufenden Saison so richtig durch, im Mittelfeld gilt der 25-Jährige unter Didi Kühbauer als gesetzt. Dabei hing seine Karriere vor sieben Jahren an einem seidenen Faden. Beim Kremser wurde damals Hoden-Krebs diagnostiziert.

    Doch Thürauer hat sich von der Diagnose, die er just zu jenem Zeitpunkt bekam, als er kurz vor dem Sprung zu einem Top-Verein war, nicht aus der Bahn werfen lassen, kämpfte ab der ersten Sekunde um sein Comeback und spielt mittlerweile Woche für Woche in der Bundesliga.

    Lukas Thürauer im sport10.at-Interviw über die Diagnose Krebs, seinen verspäteten Wechsel in die Bundesliga, den verkorksten Herbst mit der Admira und frischen Wind in der Südstadt.

    sport10.at: Der Bundesliga-Herbst ist für euch alles andere als nach Wunsch verlaufen. Was war los?

    Lukas Thürauer: Es sind einige Dinge zusammengekommen. Wir haben die ersten Partien eigentlich noch ganz gut gespielt. Dann hat es mit der Niederlage gegen Wiener Neustadt angefangen. Wir waren eigentlich die bessere Mannschaft, haben aber unglücklich verloren. Im nächsten Spiel haben wir dann gegen die Austria sechs Gegentore bekommen und haben uns in der Zeit vielleicht auch selbst zu viel Druck gemacht. In Salzburg haben wir dann 0:5 verloren und ich denke, dass das ein bisschen in den Köpfen hängen geblieben ist.

    Dass ihr Fußballspielen könnt, habt ihr schon bewiesen. Woran liegt es, wenn man die Qualitäten dann nicht auch auf dem Platz ausspielen kann?

    Wir haben es nicht mehr geschafft, dass wir da raus gekommen sind und das auf den Platz bringen, was wir eigentlich können. Es hat einfach das Selbstvertrauen gefehlt. Zusätzlich waren Leistungsträger verletzt, oder außer Form. Es gab viele Eigenfehler, die normalerweise in dieser Häufigkeit nicht passieren und so weiter. Da haben so viele Faktoren zusammen gespielt, die hoffentlich so schnell nicht wieder kommen.

    Da haben so viele Faktoren zusammen gespielt, die hoffentlich so schnell nicht wieder kommen.
    Du warst einer der wenigen Gewinner bei der Admira im Herbst und hast mit tollen Leistungen aufgezeigt. Wie lautet dein persönliches Resümee?

    Es ist immer sehr schwierig zu sagen, dass man mit sich selbst zufrieden ist, wenn man neun Spiele nicht gewinnt. Ich würde sagen, dass vor dieser Negativ-Serie die Leistung in Ordnung war, es waren einige gute Spiele dabei. Aber ich bin nicht zufrieden, weil einfach die Punkte gefehlt haben. Da kann keiner sagen, dass die eigene Leistung in Ordnung war.

    Du bist in einer Phase zur Admira gekommen, in der alles nach Plan lief. Jetzt sieht es weniger gut aus. Wie schwer war es für eine junge Mannschaft mit der Situation umzugehen?

    Es hat jeder damit gerechnet, dass es nicht immer so positiv verlaufen wird. Ich finde aber nicht, dass die Situation so schlimm ist. Klar, wir sind nur einen Punkt vor dem Abstiegsplatz, aber wenn man neun Spiele nicht gewinnt, davon acht verliert, und trotzdem nicht letzter ist, sagt das schon einiges aus. Natürlich kann es gefährlich werden, gerade nach der ersten Partie gegen Neustadt. Aber die Mannschaft schätzt das realistisch ein, jeder weiß was zu tun ist. Und wenn wir wieder so spielen, wie wir es können und alles reinhauen, werden wir wieder die Punkte machen.

    Ist der Herbst schon aus den Köpfen?

    Es war wichtig, dass wir in die Winterpause kommen, da haben wir uns schon regelrecht reingeschleppt. In der Vorbereitung ist aber schon wieder ein ganz ein anderer Zug da und das merkt man bei jedem Training. Man darf nicht vergessen, was im Herbst passiert ist, man sollte daraus lernen.

    Im Wintertransferfenster sind einige Spieler gegangen und einige dazu gekommen. War eine Veränderung notwendig?

    Immer wenn neue Spieler kommen, kommt ein frischer Wind in die Mannschaft. Man kennt die Leute nicht und so ändert sich ein wenig die Hackordnung innerhalb des Teams. Das war schon wichtig, weil die Mannschaft hat davor schon ein oder zwei Jahre so zusammengespielt. Man wird sehen, ob es richtig war, aber ich denke schon, dass es eine gute Sache ist.

    Immer wenn neue Spieler kommen, kommt ein frischer Wind in die Mannschaft.
    Was sagst du zum Wechsel von Marcel Sabitzer? Wie sehr wird er euch fehlen?

    Wenn der Sabi einen guten Tag hat, kann er jeder Mannschaft in Österreich helfen. Aber es bringt uns nichts, wenn wir uns darüber beklagen, dass wir einen Dibon, Hosiner und Sabitzer verloren haben. Wir müssen einfach schauen, dass sich ein anderer so ins Rampenlicht spielt. Wir müssen diese Leute ersetzen und vielleicht sogar besser spielen.

    Du bist ziemlich genau vor einem Jahr zur Admira gewechselt? War die Umstellung von Erste Liga auf Bundesliga sehr hart. Hast du lange gebraucht, um dich zurecht zufinden?

    Im ersten halben Jahr war die Umstellung kein großes Problem, da ich nicht so viel gespielt habe. Aber allein im Training war es eine große Umstellung, daran musste ich mich erst gewöhnen. Ich kann jetzt nicht sagen, dass die Bundesliga um so viel stärker als die Erste Liga war und ich deshalb nicht gespielt haben. Wir hatten einfach einen guten Kader und deswegen bin ich nicht so zum Zug gekommen. Aber es ist schon ein Unterschied, gerade bei den Auswärtsspielen gegen die großen Mannschaften. Das kann man nicht mit der Ersten Liga vergleichen.

    In der ersten Liga hast du schon länger für Aufsehen gesorgt - warst 2009 der Youngster der Liga, der Sprung in die Bundesliga hat auf sich warten lassen. Warum?

    Ich hatte Angebote, die ich nicht annehmen wollte, weil ich der Meinung war, dass ich einfach noch nicht so weit bin. Als ich dann bereit war, hatte ich noch einen aufrechten Vertrag und die Ablöse wäre zu hoch gewesen. Wenn ich die Möglichkeit noch mal hätte, würde ich schon früher wechseln, mindestens ein Jahr. Aber das hat sich leider nicht ergeben. Aber lieber spät, als nie.

    Lieber spät, als nie.
    Karl Daxbacher wollte dich ja auch schon mal zur Austria holen. Das wäre für dich zu früh gekommen?

    Ja, zu diesem Zeitpunkt habe ich aber erst ein Jahr in der Ersten Liga gespielt, das war für mich zu früh. Ich wollte dann auch nicht bei den Austria Amateuren spielen.

    Andere Kicker in deinem Alter hätten wohl nicht lange überlegt und das Angebot von der Austria sofort angenommen. Wie behutsam gehst du bei der Wahl deine Vereine vor? Hast du Angst vor einem verfrühten, voreiligen Wechsel?

    Im Endeffekt will ich spielen, das ist für mich entscheidend. Deshalb denke ich auch immer darüber nach, welcher Verein für mich gut ist. Wenn ich nicht spiele, oder in der Mannschaft bin, wo ich eigentlich gar nicht sein will, fühle ich mich nicht wohl. Also ist es für mich ganz normal, dass ich ein paar mal drüber nachdenke, bevor ich mich für einen Verein entscheide.

    Welche Ziele sich Lukas Thürauer nach der Krebs-Diagnose setzte, er wahre Freunde fand, der Krebs in stärker machte und warum er nie an ein Karriere-Ende dachte, lesen Sie auf der zweiten Seite.

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