Saurer Rapid eine verlorene
 

Saurer: "Rapid war eine verlorene Zeit"

  • Bild:
  • 04.02.2013 | 10:55 | (sport10)

    Im ausführlichen sport10.at-Interview erzählt ein immer noch enttäuschter Christoph Saurer über seine Leidenszeit bei Rapid, warum in Innsbruck alles besser ist und über seine Ziele.

    Die Karriere von Christoph Saurer ist eine einzige Achterbahnfahrt. Während er den Nachwuchs der Wiener Austria durchlaufen hat, zählte der heute 27-Jährige zu den größten Talenten in Österreich. Bis in die Kampfmannschaft konnte sich der Wiener aber nicht durchsetzen und so folgte 2007 der Wechsel zum LASK.

    In der Stahlstadt mauserte sich Saurer zum absoluten Leistungsträger und begeisterte mit starken Leistungen nicht nur die Anhänger des Linzer Traditionsvereins. 2010 wechselte der offensive Mittelfeldspieler zu Rapid, wo er sich jedoch nie wirklich durchsetzen konnte. Es folgte der unrühmliche Abschied aus Hütteldorf und der Wechsel zu Wacker Innsbruck. sport10.at lässt mit Saurer die Zeit bei Rapid noch einmal Revue passieren und spricht über seinen neuen Klub.

    sport10.at: Christoph, wie geht es dir und wie lief bisher die Vorbereitung auf das für Innsbruck wichtige Frühjahr?

    Christoph Saurer: Bei mir ist alles gut. Der Beginn der Vorbereitung war natürlich wie immer sehr anstrengend, denn in den ersten Wochen stand natürlich die Ausdauer am Programm. Erst danach haben wir endlich einen Ball dazubekommen, da macht es dann schon mehr Spaß. Aber das gehört natürlich alles dazu und ist normal.

    Ich bin eigentlich nicht zufrieden. Mir fehlt etwas Zählbares, denn bis auf ein Cup-Tor ist mir nichts gelungen. Ich muss in diesem Bereich noch mehr machen, denn ich weiß, dass ich viel mehr kann.

    Du spielst nun bereits ein halbes Jahr in Innsbruck. Wie lautet dein bisheriges Fazit?

    Mir gefällt es hier wirklich sehr gut. Ich muss sagen, dass hier die Lebensqualität extrem hoch ist. Wirklich toll. Sportlich könnte es aber natürlich besser laufen. Wir haben gegen Ende der Herbstsaison besser gespielt, aber zu Beginn haben wir einfach zu viel liegen gelassen. Der Schluss war aber okay und darauf können wir aufbauen.

    Seit der Trainer Roland Kirchler heißt, läuft es besser bei Wacker Innsbruck.

    Ja. Aber ich kann eigentlich nicht wirklich erklären, warum das so ist. Ich will niemanden schlecht nachreden, aber ich glaube einfach, dass das Verhältnis zwischen den Spielern und dem Trainer ein bisschen harmonischer geworden ist. Auch das Training hat sich ein wenig geändert, denn es findet viel mehr mit dem Ball statt. Man hat ja dann schon in den Spielen gemerkt, dass wir uns im Ballbesitz einfach mehr zutrauen.

    Wie bewertest du deine persönliche Leistung?

    Ich bin eigentlich nicht wirklich zufrieden. Mir fehlt leider etwas Zählbares, denn bis auf ein Cup-Tor ist mir nichts gelungen. Ich muss in diesem Bereich einfach noch mehr machen, denn ich weiß, dass ich viel mehr kann und viel mehr drauf habe. Das habe ich ja schon oft bewiesen. Ich arbeite aber daran und will der Mannschaft im Frühjahr noch mehr helfen.

    Du sprichst eigentlich überhaupt nicht den Abstiegskampf an. Gehst du davon aus, dass ihr die Liga halten werdet?

    Ich kenne meine Mannschaft, weiß, dass wir die Qualität haben, und bin überzeugt, dass wir in der Bundesliga bleiben werden. Ich bin einfach fest der Meinung, dass wir es schaffen. Wacker ist einfach ein Traditionsverein mit vielen Fans. Wir müssen einfach oben bleiben.

    Ich hätte mich in gewissen Situationen viel mehr wehren müssen, nicht alles gefallen lassen. Vielleicht war ich zu ruhig. Aber die Erfahrung macht man eben.

    Sprechen wir über deine Vergangenheit. 2010 wurdest du zu Rapid geholt. Eine nicht wirklich erfolgreiche Zeit für dich.

    Das stimmt. Ich würde die Zeit als lehrreich beschreiben. Wobei es ja eigentlich ganz gut begonnen hat, denn gleich im ersten halben Jahr unter Peter Pacult habe ich öfter gespielt und auch gute Leistungen gezeigt. Die eineinhalb Jahre danach waren aber leider eine verlorene Zeit für mich.

    Warum hat es nach diesem halben Jahr nicht mehr geklappt?

    Das frage ich mich auch und ich kann es nicht sagen. Ich habe keine Ahnung. Vielleicht war ich zu meinen Mitmenschen einfach zu nett und rücksichtsvoll. Das ist eine Erkenntnis, die ich gemacht habe.

    Welche Personen sprichst du damit an?

    Allgemein. Ich hätte mich in gewissen Situationen einfach viel mehr wehren müssen, nicht alles gefallen lassen. Vielleicht war ich zu ruhig. Aber die Erfahrung macht man eben und das ist jetzt abgehackt.

    Nagt es trotzdem noch an dir?

    Man macht sich seine Gedanken. Ich habe ja zu Beginn gute Leistungen gezeigt und plötzlich sitze ich ohne Gründe auf der Ersatzbank. Vielleicht habe ich den Wechsel zu Rapid einfach zeitlich schlecht erwischt, denn es ist ja in den letzten Jahren rundherum sehr viel passiert und auch jetzt läuft ja eigentlich nicht alles rund. Vielleicht war es einfach der falsche Zeitpunkt.

    Damit hat denke ich keiner gerechnet. Ich glaube aber, Rapid überlegt es sich jetzt zweimal, ob sie in nächster Zeit einen Austrianer verpflichten.

    Und dann folgte der Abschied.

    Peter Schöttel ist zu mir gekommen und meinte, dass es besser wäre, den Verein zu verlassen. Wieder habe ich keine Gründe bekommen. Ich wollte aber nicht gleich flüchten, es noch einmal probieren aber im Winter habe ich dann eben den Schritt zum SC Wiener Neustadt gemacht, wo ich viel Spielpraxis sammeln konnte.

    Hast du dich bei Rapid überhaupt noch wohlgefühlt?

    Zum Schluss ehrlich gesagt nicht mehr. Das ist aber normal. Man sieht ja auch, wie man mit Thomas Prager umgeht. Er wird auf das Abstellgleis gestellt und weiß nicht einmal warum. Ich bin froh, dass es vorbei ist und dass ich jetzt in Innsbruck spiele, wo ich mich extrem wohlfühle.

    Bei deinem Wechsel zu Rapid wurdest du von vielen Fans beschimpft und sogar angespuckt. Grund war deine Austria-Vergangenheit. Wie geht man als Spieler damit um?

    Das war sicher eine Überraschung, dass es so ausgeartet ist. Damit hat, denke ich keiner gerechnet. Ich glaube aber, Rapid überlegt es sich jetzt zweimal, ob sie in nächster Zeit einen Spieler verpflichten, der irgendwann bei der Austria war. Bei mir hat irgendein 'Hansl' im Internet behauptet, dass ich ein riesen Austria-Fan und Mitglied bei irgendeinem Fanklub bin. Das stimmt aber nicht und trotzdem haben es viele geglaubt.

    Wärst du trotzdem gekommen, wenn du gewusst hättest, dass es so ausartet?

    Ich möchte nicht Nein sagen. Ich wollte einfach zu einem österreichischen Verein, der international vertreten ist. Nach dem halben Jahr, wo ich gute Leistungen gezeigt habe, war das ja wieder vorbei. Ich bin von den meisten akzeptiert worden und das war okay.

    Sprechen wir über deine Zukunft. Du bist 27 Jahre, wie sollen deine nächsten Schritte aussehen?

    Ich fühle mich sehr wohl in Innsbruck und glaube, dass man mit dem Verein noch viel holen kann. Wacker hat viele Fans, ist ein Traditionsverein und gehören in die Bundesliga. Da ist viel drinnen und ich würde gerne länger bleiben.

    Du würdest also auch bei einem möglichen Abstieg den Schritt in die Erste Liga mitgehen?

    Von dem Gedanken gehe ich derzeit nicht wirklich aus. Ich bin fest der Meinung, dass wir oben bleiben. Somit zerbreche ich mir darüber nicht den Kopf.

    Das Ausland war für dich ja eigentlich nie wirklich ein Thema.

    Das Thema Ausland ist nicht immer so einfach. Ich denke, das ist nichts für mich. Meiner Meinung nach ist die österreichische Liga gut und wir Spieler können uns auch hier steigern. Außerdem bin ich nicht mehr der Jüngste und muss nicht unbedingt weg aus Österreich.

    SPORTMAGAZIN Gold-Edition:


    Der Superstar erzählt sein Leben:
    packend, berührend, authentisch.

    >> Jetzt bestellen

    Mehr auf sportnet.at
      Mehr aus dem Web

      Schreiben Sie uns Ihre Meinung ()

      >> Hier e-Paper downloaden <<