KarriereEnde schon sehr nahe
 

"Das Karriere-Ende war schon sehr nahe"

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  • 16.01.2013 | 10:28 | (sport10)

    Nach 14 Monaten Leidenszeit genießt Jürgen Macho wieder die Kleinigkeiten. sport10.at hat den Neo-Admira- und Ex-EURO-Goalie zum Interview gebeten.

    Einfach wieder in eine Kabine gehen, mit den Mitspielern reden und scherzen - überhaupt wieder Mitspieler zu haben. Jürgen Macho genießt momentan die kleinen Dinge im Fußballer-Leben.

    Jene Selbstverständlichkeiten, die für den 35-Jährigen zuletzt keineswegs mehr selbstverständlich waren. 14 Monate Leidenszeit hat der Ex-ÖFB-Teamtorhüter hinter sich. 14 Monate, in denen er nicht wusste, ob er jemals wieder spielen kann. 14 Monate, in denen sich Macho fast komplett abgeschottet hatte.

    "Es war eine verschissene Zeit", gesteht der Wiener im Interview mit sport10.at. Jetzt blickt der EURO-Goalie von 2008 aber wieder nach vorne.

    sport10.at: Jürgen, wie fühlt es sich, nach so einer langen Leidenszeit wieder Teil einer Mannschaft zu sein?

    Jürgen Macho: Auf dieses Ziel habe ich die ganze Zeit hingearbeitet. Ich wollte unbedingt wieder zurückkommen, einfach wieder den normalen Ablauf haben. Ich war doch während der gesamten Reha alleine unterwegs. 14 Monate, in denen du diese Selbstverständlichkeit nicht mehr hast. Es ist schön, dass ich nun wieder in eine Kabine gehen darf und der Schmäh rennt.

    Wie geht es deinem Knie unter der Belastbarkeit?

    Das Knie ist so weit in Ordnung. Ich muss mich eben langsam herantasten. Die Basis ist jedenfalls gelegt, die letzte Untersuchung war auch in Ordnung. Nun muss ich wieder zu alter Stärke finden.

    Bevor ich die Reha begonnen habe, war das Karriere-Ende schon sehr nahe.

    Wie nahe war das Karriere-Ende schon?

    Bevor ich die Reha begonnen habe, war das Karriere-Ende schon sehr nahe. Man hat gewusst, dass es eine komplexe Geschichte ist, bei der der Ausgang offen ist. Aber ich habe Willensstärke und Durchhaltevermögen gezeigt. Das hat sich ausgezahlt.

    Wie hart war die Reha-Zeit?

    Es war eine verdammt schwere Zeit, eine verschissene Zeit, die mich viel Kraft gekostet hat. Es war schwer, alles zu meistern, die ständigen Rückschläge zu verkraften. Vor allem, weil ich noch dazu Probleme mit meinem Ex-Verein hatte.

    Woher hast du die Motivation genommen?

    Ganz einfach: So wollte ich nicht aufhören. Man hat mir gesagt, dass es eine Möglichkeit gibt, wieder zurückzukommen. Also habe ich alles dafür gegeben. Man sieht, was mit Motivation und Willensstärke möglich ist.

    Das hat sich ja ausgezahlt, du bist nun bei der Admira gelandet. Wieso ausgerechnet die Admira?

    Die Admira hat Interesse gezeigt und wir haben uns unterhalten. Ich wollte mir vorher noch ein Bild machen. Die Gespräche mit den Verantwortlichen waren danach sehr gut. Es war mir wichtig, dass die Leute, mit denen ich gesprochen habe, etwas vom Fußball verstehen. Ich wollte dann auch nicht lange pokern, sondern es schnell über die Bühne bringen.

    Im Ausland läuft der Hase komplett anders. Da wirst du geholt und musst von Anfang an funktionieren.

    War das Ausland kein Thema mehr? Gab es überhaupt andere Angebote?

    Im Ausland läuft der Hase komplett anders. Da wirst du geholt und musst von Anfang an funktionieren. Da hast du keine Zeit, dich langsam heranzutasten. Als Langzeitverletzter hast du sowieso keine Chance.

    Wie ist dein Eindruck von der Admira-Mannschaft?

    Es ist eine junge Mannschaft - ich bin mit Patrik Jezek der Älteste, aber das stört mich nicht. Ich will jetzt wieder auf mein altes Level zurückkommen und dann den Jungen mit meiner Erfahrung weiterhelfen.

    Die Aufgabe wird aber nicht einfach. Die Admira steckt hinten drin, dazu ist Marcel Sabitzer weg.

    Im ersten Jahr hat die Admira einfach einen Lauf gehabt, da hat fast alles funktioniert. Das darf aber nicht die Messlatte sein, denn die Mannschaft ist jung. Da sind Schwankungen normal. Wenn du einen Einbruch hast, kannst du schnell unten rein rutschen. Wichtig ist, dass wir uns jetzt konzentriert vorbereiten und im Frühjahr richtig Gas geben. Dass es keine einfache Aufgabe wird, ist klar.

    Mit Didi Kühbauer habt ihr einen sehr emotionalen Trainer. Kanntest du ihn schon?

    Kühbauer war mir natürlich schon vorher ein Begriff. Ich habe damals im Rapid-Nachwuchs gespielt, als er bei den Profis war. Ich habe kein Problem damit, dass er ein emotionaler Trainer ist. Jeder soll so sein, wie er ist. Ich habe auch meine Eigenheiten.

    Ich bin da, um meinen Job zu machen, werde jedoch sicher keine Stammplatz-Garantie einfordern.

    Wie sieht Kühbauer deine Rolle?

    Es ist noch etwas zu früh, um über meine Rolle zu sprechen. Nach dem Trainingslager wird man sicher mehr sagen können. Natürlich ist es immer das Ziel, zu spielen - aber das will ohnehin jeder. Ich bin da, um meinen Job zu machen, werde jedoch sicher keine Stammplatz-Garantie einfordern.

    2008 warst du bei der Heim-EURO noch Stammtorhüter. Rückblickend das schönste Erlebnis deiner Karriere?

    Die EURO 2008 war natürlich schon etwas besonderes und eines der Highlights meiner Karriere. Wie oft hat man schon die Möglichkeit, bei einem Großereignis zu spielen. Vor allem als Österreicher. Aber es hat auch sehr schwere Phasen in meiner Karriere gegeben. Es war ein ständiges Auf und Ab.

    Hast du das Nationalteam noch im Hinterkopf?

    Es ist derzeit nicht der richtige Zeitpunkt, um über solche Themen zu sprechen. Es würde auch in meiner Situation keinen Sinn machen, darüber nachzudenken. Wichtig ist für mich momentan nur, wieder zu alter Stärke zu finden.

    Es gibt momentan wieder Diskussionen, dass Österreich zwischen den Pfosten die Top-Leute fehlen. Wie siehst du das?

    Diese Diskussionen gibt es ja schon länger. Ich will mich dazu gar nicht großartig äußern. Jeder soll seine Meinung haben. Ich sehe es differenzierter und auch nicht so dramatisch.

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