Holland Mein Karma meint
 

"In Thailand würde ich nur Urlaub machen"

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  • 17.01.2013 | 08:27 | (sport10)

    Seit einem Jahr kickt James Holland nun bei der Austria. Mit sport10.at spricht er über diese Achterbahnfahrt, den Dank an Joey Didulica und warum er den Schritt von Roland Linz nicht machen würde.

    Minusgrade und ein kalter Wind, der es fast nur in Wien schafft, dir so um die Ohren zu blasen. Nicht gerade ein einladendes Wetter für einen Mann aus Australien. Dennoch taucht James Holland mit einem Lächeln beim sport10.at-Interview im Motto am Fluss auf.

    Der 23-jährige Austria-Sechser hat auch allen Grund dazu, seine gute Laune in die Welt rauszutragen. Nach einem Jahr in Wien gehört er zum Stammpersonal des Tabellenführers und darf sich berechtigte Hoffnungen machen, am Ende der Saison das Lächeln in einen Jubelschrei unter dem Meisterteller zu verwandeln. Was bereits jetzt fix ist: Holland hat ein irres Jahr hinter sich.

    "Es war wie eine Achterbahnfahrt"

    Am 16. Jänner vermeldeten die Veilchen die Verpflichtung von Holland, nachdem ihn sein bisheriger Verein AZ Alkmaar trotz Vertrags kostenfrei ziehen ließ. Als schwierig bezeichnet Holland heute die Zeit in den Niederlanden, als er sich dort mit 19 Jahren auf einem neuen Kontinent fernab der Heimat beweisen wollte. Doch auch der als persönlicher Neuanfang gedachte Wechsel nach Wien brachte zunächst mehr schwierige Zeiten, als Sonnenstunden. "Das letzte Jahr war wie eine Achterbahnfahrt. Vor allem zu Beginn war es ein Auf und Ab", sagt Holland heute.


    Holland blickt über "sein" Wien.

    Unter Trainer Ivica Vastic ging es viel öfter nach unten, als nach oben. Auch für Holland: Der Verein stand in der Kritik, die Punkte blieben aus, er selbst fand sich oft auf der Bank wieder. "Als Holland im Winter kam, wurde er belächelt, dann rasch abgestempelt", erinnert sich Finanzvorstand Markus Kraetschmer an die Meinungen von außen. "Heute ist er einer der wichtigsten Spieler in der Mannschaft", fügt Kraetschmer an. Für Trainer Peter Stöger gehört er zum wichtigen defensiven Dreieck bestehend aus Manuel Ortlechner, Kaja Rogulj und eben Holland.

    "Das ist das Leben eines Profis"

    Zwölf Monate brauchte er, um sich dieses Lob zu verdienen - entscheidend war selbstredend die zweite Jahreshälfte. "Die letzten fünf Monate waren für mich und die ganze Mannschaft fantastisch. Wir haben Punkterekorde gebrochen, haben eine tolle Atmosphäre in der Mannschaft. Gerade das macht uns jetzt so stark."

    Dass es ein halbes Jahr brauchte, ehe Holland und die Mannschaft wieder Fuß fassen konnten, sieht der Australier heute gelassen: "Das gehört zum Leben eines Profis dazu. An einem Tag ist alles großartig, am nächsten kann es ganz anders aussehen. Solchen Situationen muss man einfach offen entgegenblicken."

    Ich dachte, ich würde zu Alkmaar gehen und von dort aus gleich den nächsten Schritt machen.

    "Viele Erfahrungen prägen mich"

    Ein offener Mensch ist Holland schon immer. Klar, als Australier gehört die offene Lebensart quasi zur Erziehung. Dieser Weg hat ihn auch zur Austria gebracht: "Die Straße, die sich hier aufgetan hat, ist eine andere, als ich es erwartet hätte."

    Als junger Profi war der Traum schon fertig geträumt, ehe die Realität nachziehen konnte: "Ich dachte, ich würde zu Alkmaar gehen und von dort aus gleich den nächsten Schritt machen." Der nächste Schritt heißt damals wie heute deutsche Bundesliga oder Premier League. Doch anstatt in Alkmaar auf dem Abstellgleis stillzustehen, spielt er mit der Austria um die Meisterschaft mit. "Ich habe nie aufgegeben. Mein Karma meint es gut mit mir", sagt Holland. Dann grinst er wieder.

    "Ich bin Didulica sehr dankbar"

    Er denkt zurück, wie in das letzte Jahr verändert hat: "Ich spiele regelmäßig, das war bei mir nicht mehr der Fall, seit ich Australien verlassen habe. Wenn du so regelmäßig spielst, setzt du dich mehr mit den Spielsituationen auseinander, was dir wiederum bei der Entwicklung hilft." Lohn für die harte Arbeit: Holland kehrte auch zum Stamm der australischen Nationalmannschaft zurück.


    Holland im Gespräch mit sport10.at-Redakteur Daniel Kendler.

    Und dann gibt es da noch die gar nicht so unwichtige persönliche Schiene: "Um ehrlich zu sein bin ich jetzt wesentlich entspannter, als Person und auch auf dem Platz. Wenn du jung bist, machst du dir selbst viel unnötigen Druck. Viele Erfahrungen prägen mich, ich lerne immer mehr über mich selbst."

    Einem, den er ewig dankbar sein wird, dass der Schritt nach Österreich möglich wurde, ist Ex-Veilchen Goalie Joey Didulica. Er fädelte den Deal mit ein. "Ich habe mit ihm erst unlängst über die ganze Situation des letzten Jahres gesprochen. Es tut immer gut mit ihm zu reden. Ich bin ihm wirklich sehr dankbar für diese Möglichkeit hier."

    Der Urlaub hat mich daran erinnert, was zuhause eigentlich bedeutet.

    Der Abschied von der "sweet Lady"

    Der einzige Haken an der derzeitigen "Feel-Good-Situation": All die Erfahrungen und Möglichkeiten, die Holland nun in Österreich und Europa aufsaugt, kann er kaum mit seiner Familie teilen. Diesen Winter gönnte er sich erstmals seit zwei Jahren wieder einen Heimaturlaub in Australien. Sehr zur Freude seiner Mutter, die ihn allein aufzog. "Sie ist eine 'sweet Lady', es war wirklich schön sie zu sehen, sie vermisst mich sehr. Es war hart, wieder zu fahren. Ich bin ziemlich gut beim Verabschieden, aber wenn es um meine Mutter geht, ist es schwierig."

    Da wird dann kurzzeitig auch das von ihm so geliebte Wien kurz zu einem einsamen Ort: "Die ersten drei Tage in Wien nach der Rückkehr waren eine schwierige Zeit. Ich fühle mich hier zwar sehr wohl, aber der Urlaub hat mich daran erinnert, was zuhause eigentlich bedeutet." Dennoch, gerade bei Gedanken an Wien, gerät er schnell wieder ins Schwärmen: "Ich führe hier ein fantastisches Leben."

    "Ich wechsle nicht wegen Geld"

    (c) Eva Loidl
    Außerdem: Feiert die Austria den Meistertitel, sollen auch Freunde und Familie nach Möglichkeit in Österreich mitfeiern. Wann diese dann die Flüge buchen, hängt von den Leistungen von Holland und Co. im Frühjahr ab: "Wir haben definitiv die Qualität im Kader, um den Titel zu gewinnen."

    Für den 23-Jährigen wäre es der zweite (echte) Meisterschaftsgewinn in seiner noch jungen Karriere. "In meiner ersten Profi-Saison in Australien haben wir den Titel gewonnen (mit den Newcastle United Jets, Anm.). Als ich zu AZ kam haben wir zwar ebenfalls den Titel geholt, doch ich war erst kurz dort und habe nicht viel dazu beigetragen." 

    Nach Thailand würde ich derzeit nur auf Urlaub fahren

    Bleibt am Ende nur noch die offene Frage nach der Zukunft. Lose Gerüchte um seine Person gibt es immer wieder, doch nach den schweren Zeiten, die Holland bereits erlebte, wird ein mögliches Angebot immer ganz genau unter die Lupe genommen. "Ich mache keinen Schritt nur des Geldes wegen oder aus anderen oberflächlichen Gründen."

    Auf die Frage, ob also ein Wechsel a la Roland Linz nach Thailand etwas für Holland wäre, antwortet er: "Ich bin garantiert ein Reisender, aber nach Thailand würde ich derzeit nur auf Urlaub fahren." Außerdem ist der Reisende Holland bei der Austria ohnehin auf den für ihn richtigen Weg, den er so schnell nicht mehr verlassen möchte.

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