Vielleicht spielt Jimmy bald
 

"Vielleicht spielt Jimmy bald wieder"

  • Bild:
  • 04.12.2012 | 11:36 | (sport10)

    Im sport10.at-Interview spricht Max Hagmayr über sein Interesse am Sportdirektor-Job bei Rapid und äußert sein Unverständnis über die Causa Darko Bodul.

    Für Spielerberater Max Hagmayr geht es ab 1. Jänner wieder Schlag auf Schlag: Das Wintertransferfenster öffnet. Spielerwechsel werden abgewickelt, Gerüchte dementiert. Im Interview mit sport10.at spricht Hagmayr über den ganz normalen Transferwahnsinn und sein Interesse Sportdirektor bei Rapid zu werden. Zudem äußert sich Hagmayr über das Rapid-Interesse an Jimmy Hoffer und äußert sein Unverständnis über die Causa Darko Bodul.

    sport10.at: Vor vier Monaten hat das Sommertransferfenster geschlossen, in einem Monat geht es schon wieder auf. Merken sie langsam, wie der Stresspegel steigt?

    Max Hagmayr: Das Adrenalin steigt je näher es zur offiziellen Transferzeit kommt. Man merkt die Unruhe bei den Spielern und Vereinen. Bei mir ändert sich nicht viel, weil ich das ganze Jahr unterwegs bin. Jetzt war ich einige Tage in Stuttgart, Hoffenheim, Augsburg und Freiburg - innerhalb von drei Tagen bei sechs Vereinen.

    Im Winter sind die Vereine meistens eingeschränkt. Im Sommer wird groß eingekauft und im Winter fehlt dann oft das Geld, wichtige Transfers zu tätigen.
    Flattern jetzt schon die ersten Anfragen herein und werden die ersten Wechsel intern klar gemacht?

    Das dauert noch. Die Vereine sind sich noch gar nicht sicher, auf welchen Positionen sie Spieler suchen. Sie sondieren den Markt und wissen nicht, welche Kicker machbar sind. Vorgespräche und Planungen laufen, Spieler werden angeboten. Man muss sich überlegen, ob man die Gespräche mit Equipment wie DVDs oder iPads intensiver gestaltet.

    Worauf kommt es noch an?

    Schlussendlich bleibt die Frage: Auf welcher Position wird gesucht und welche Mittel hat der Klub zur Verfügung? Im Winter sind die Vereine meistens eingeschränkt. Im Sommer wird groß eingekauft und im Winter fehlt dann oft das Geld, wichtige Transfers zu tätigen.

    Was halten Sie von Wintertransfers? Man könnte ihnen Planungsschwäche im Sommer unterstellen.

    Da haben Sie nicht unrecht. Einige Vereine wollen Sommertransfers korrigieren. Allerdings ändern sich die Umstände in den Klubs immer wieder. Trainerwechsel, Verletzungen, oder man konnte einen Spieler nicht verlängern. Fußball ist nicht immer planbar.

    Es reizt mich wieder sehr, denn ich weiß, dass ich es kann und wichtige Kontakte habe. Aber es kann nur bei einem interessanten Klub sein, bei dem man etwas bewegen kann.
    Ayhan Tumani meinte unlängst, "Transferzeit ist immer".

    Das stimmt. Man ist das ganze Jahr unterwegs. Im Fußball gibt es immer Probleme, Wünsche und Änderungen. Wenn ich mich nicht zum Urlaub zwinge, bin ich immer auf Reisen.

    Zum SportMagazin sagten Sie, dass der Beruf des Spielerberaters nicht unbedingt familienverträglich ist. Haben Sie überlegt die Seite zu wechseln und Sportdirektor zu werden?

    Ich muss meine Frau bewundern, dass sie es mit mir aushält, obwohl ich immer unterwegs bin. Ich habe vor kurzem eine Facebook-Nachricht meines 12-jährigen Sohnes gelesen, in der er schreibt: Mein Vater ist nicht oft da. Das hat mir zu denken gegeben. Die Seite habe ich schon einmal gewechselt. In den 90er Jahren war ich erfolgreich Sportdirektor beim LASK. Wir hatten eine Topmannschaft die um den Titel mitgespielt hat. Mit dem Präsidentenwechsel bin ich gegangen. Es reizt mich wieder sehr, denn ich weiß, dass ich es kann und wichtige Kontakte habe. Aber es kann nur bei einem interessanten Klub sein, bei dem man etwas bewegen kann.

    Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass Rapid für mich nicht reizvoll ist. Rapid ist einer der besten Klubs - nicht nur in Österreich, sondern international.
    Rapid ist auf der Suche....

    Ich war ja schon einmal bei Rapid im Gespräch und habe es wegen meiner Firma nicht gemacht. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass Rapid für mich nicht reizvoll ist. Rapid ist einer der besten Klubs - nicht nur in Österreich, sondern international. Mit dieser Anhängerschaft und allem was dahinter steckt.

    Wann war diese Anfrage?

    Als damals Peter Schöttel genommen wurde. (2003, Anm.)

    Auf der sicheren Seite zu schwimmen reicht für einen gewissen Standard, aber nicht für mehr. Wenn ich die Möglichkeit habe und mich stark genug fühle, würde ich ins Ausland wechseln.
    Lassen Sie uns über Ihren aktuellen Job sprechen. Einige Ihrer Spieler wechselten früh ins Ausland. Was würden Sie Philipp Hosiner raten, wenn Sie sein Berater wären?

    Ich würde ihm raten, die Saison auf jeden Fall bei der Austria fertig zu spielen. Dann muss man schauen, was der Philipp selber denkt, welche Ziele er hat. Und dahingehend muss man hinarbeiten. Nur: Keine Schnellschüsse! Eine gute Saison spielen, Tore schießen und überlegen, was man gerne möchte. Im Ausland muss man einen guten Klub finden, bei dem man spielt. Dazu braucht es auch Glück.

    Ist das Risiko bei einem Auslandstransfer kalkulierbar?

    Nein. Es gibt im ganzen Leben Risiko. Ohne Risiko kann ich nichts erreichen. Auf der sicheren Seite zu schwimmen reicht für einen gewissen Standard, aber nicht für mehr. Wenn ich die Möglichkeit habe und mich stark genug fühle, würde ich es machen. Denn was kann ich verlieren? Wenn ich mich nicht durchsetze, kann ich immer noch zu einem Topklub nach Österreich zurückkehren.

    Bleibe ich, bin ich vielleicht der Kaiser von Österreich, muss mir aber am Ende meiner Karriere vorwerfen, es international nicht geschafft zu haben.

    Das Fußballerleben in Österreich hat auch Vorteile.

    Bleibe ich, bin ich vielleicht der Kaiser von Österreich, muss mir aber am Ende meiner Karriere vorwerfen, es international nicht geschafft zu haben. Aber früh zu wechseln, um das meiste Geld zu haben, ist sinnlos. Mit 30 Jahren kann ich dann schauen: Wo verdiene ich am meisten? Wo ist das Geld? Jüngere Spieler brauchen die sportliche Entwicklung und können das Geld mehr als zurückholen.

    Wäre es für Jimmy Hoffer eine denkbare Variante zu Rapid zu wechseln?

    Dahingehend gab es keine Gespräche. Was die Zukunft von Jimmy betrifft: Es ist richtig, wir sind nicht zufrieden. Aber was wir besprechen, machen wir nicht öffentlich. Bis jetzt ist es so: Er hat ein Jahr Vertrag in Frankfurt. Die Stürmer haben sich dort nicht mit Ruhm bekleckert. Im Fußball geht es schnell, vielleicht spielt Jimmy bald wieder. Aber wir verlieren die Situation nicht aus den Augen. Wir haben Lösungen. Mit Napoli, wo er noch Vertrag hat, muss es auch Gespräche geben. Aber bis dahin muss Jimmy Leistung bringen. 

    Alexander Manninger konnten Sie bei Augsburg unterbringen. Ist der Torhütermarkt besonders schwierig?

    Die Transfers von Torhütern sind immer schwierig. Mehr als einer kann nicht im Tor stehen. Aber wenn man Transfers analysiert, erkennt man, dass junge Spieler Vorteile gegenüber älteren haben. Das stört mich schon etwas, da das Alter keine entscheidende Prämisse haben kann. Aber es ist auch verständlich, wenn die Klubs billigere junge Spieler möchten.

    Und sie haben einen Wiederverkaufswert.

    Natürlich. So können sie Geld zurückbekommen. Logisch. Trotz allem: Die Leistung ist entscheidend und nicht das Alter. Bei Alex Manninger freut es mich besonders, dass sein Transfer gelungen ist. Er kann noch Jahre auf hohem Niveau spielen. In der Bundesliga kann er sich zeigen.

    Darko Bodul hat letztes Jahr 12 Tore geschossen und überragend gespielt. Und jetzt geht nichts mehr. Da muss ich mich als Verein hinterfragen, wieso ich mit dem Spieler nichts mehr anfangen kann.
    Einer Ihrer Klienten, Darko Bodul, spielt bei Sturm keine Rolle mehr.

    Manches verstehe ich nicht. Darko Bodul hat letztes Jahr 12 Tore geschossen und überragend gespielt. Und jetzt geht nichts mehr. Da muss ich mich als Verein hinterfragen, wieso ich mit dem Spieler nichts mehr anfangen kann. Franco Foda konnte es.

    Das könnte für Sie doch ein Ansporn sein, wieder Sportdirektor zu werden.

    Ich sehe Fußball ganz anders. Ich bin Jurist, Ex-Kicker und ehemaliger Sportdirektor. Wenn ich nicht wüsste, wie es läuft, dann hätte ich was falsch gemacht. Beim LASK habe ich natürlich auch Fehler gemacht. Aber jeder Job hat andere Blickwinkel. Ich verstehe auch oft die Vereine

    Ich diskutiere nicht mehr mit Sturm Graz, ob Bodul gut ist oder nicht. Sie haben gesagt, er kann gehen, also finden wir eine Lösung. Wenn wir diese im Winter finden, wird er wechseln. Sollte das nicht gelingen, dann im Sommer.
    Sie haben andere Interessen.

    Ja. Aber um auf Sturm zurück zu kommen: Ich diskutiere nicht mehr mit Sturm Graz, ob Bodul gut ist oder nicht. Sie haben gesagt, er kann gehen, also finden wir eine Lösung. Wenn wir diese im Winter finden, wird er wechseln. Sollte das nicht gelingen, dann im Sommer.

    Sturm und Bodul werden sich also nicht mehr finden?

    Ich hab so viel erlebt. Abgeschriebene Spieler, die wieder auferstanden sind. Ein Spieler wie Bodul ist ein Kapital des Vereines. Und wenn ich sage, das Kapital ist nichts wert, dann ist es auch so. Ich mag Ayhan Tumani, der ist ein guter Mann. Peter Hyballa trainiert gut. Aber wir haben unterschiedliche Meinungen und das ist legitim.

    SPORTMAGAZIN Gold-Edition:


    Der Superstar erzählt sein Leben:
    packend, berührend, authentisch.

    >> Jetzt bestellen

    Mehr auf sportnet.at
      Mehr aus dem Web

      Schreiben Sie uns Ihre Meinung ()

      >> Hier E-Paper downloaden <<



      • Sportwoche ePaper




        • Sportwoche ePaper