Nicht jeder kann Alaba
 
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"Nicht jeder kann ein Alaba werden"

Mit seinem Buch "Träume verändern" sorgte Peter Hackmair für viel Aufsehen in der heimischen Fußballwelt. Mit sport10.at spricht er über zu viel Kohle im Business, den Anti-Typ Arnautovic und was ihn heute bewegt.

21.12.2012 | 07:50 | (sport10)

Mitte Jänner geht Peter Hackmair mit seiner Frau auf eine Weltreise, die sie an die interessantesten Orte dieses Planeten führen soll. Bevor es so weit ist, nahm der 25-jährige Ex-Profi und Buchautor des Werkes "Träume verändern" sport10.at mit auf eine ganz eigene Reise durch seine Fußballer- und Autorenwelt.

Es entwickelte sich kein alltägliches Interview, sondern ein Gespräch über die Kehrseite des Fußballs, die unerklärbaren Geldsummen, die in diesem Sport herumgeistern, die fehlenden Persönlichkeiten in einer Mannschaft und warum man trotz vieler Rückschläge als junger Mensch seine Träume nicht begraben, sondern verändern kann.

sport10.at: Peter, gehst du jetzt als Buchautor anders in Interviews, als in deiner ehemaligen Rolle als Profikicker?

Peter Hackmair: Eigentlich nicht, ich habe immer versucht mich nicht zu verstellen. Dass man als aktiver Kicker immer die Wahrheit sagt, aber das eine oder andere auslässt, ist auch klar. Man soll und darf sich nicht den Mund verbrennen, gerade in der heutigen Medienlandschaft kann dir eine kritische Wortmeldung beim falschen Journalisten sehr negativ ausgelegt werden. Insofern plaudere ich jetzt einfach alles aus, was mir in den Sinn kommt.

Du gehst mit Journalisten, aber auch deiner eigenen Zunft in deinem Buch hart ins Gericht. Hat es schon negative Reaktionen darauf gegeben?

Die direkten Reaktionen sind zu 100 Prozent positiv. Das fängt an bei einem 12-jährigen Buben und geht bis hin zum Feedback einer pensionierten Frau, die noch nie etwas mit Fußball zu tun hatte. Ich erfahre natürlich manchmal über zwei, drei Ecken, dass die eine oder andere Passage gewissen Leuten nicht passt. Ich finde es allerdings schade, dass diese Leute nicht direkt auf mich zukommen und mich fragen, was ich mir dabei gedacht habe.

Du hast das Fußballspielen mit fünf begonnen und mit 25 beendet. Was hat der Profifußball mit dir "gemacht"?

Der Fußball hat mich entwickelt. Ich bin mehr oder weniger als Fußballer auf die Welt gekommen, ich hatte das Talent und die Leidenschaft in mir. Alle Höhen, Tiefen und die Schattenseiten, dass sind alles Faktoren, die mich neben meiner Familie und meiner Frau, zu dem Menschen gemacht haben, der ich heute bin.

Ich glaube, es hat so passieren müssen, dass ich mit dem Fußballspielen aufgehört habe.

Was waren deine prägendsten Erfahrungen als Profi?

Es ist schwer, das in ein paar Sätzen ausdrücken zu können. Was sich jedoch durch mein Leben und das Buch wie ein roter Faden zieht, ist die Wichtigkeit, einen Traum zu haben und dafür alles zu geben. Das hat mich von meinem fünften Lebensjahr bis jetzt geprägt. Das werde ich auch weiterhin so fortführen.

Wenn möglich aber ohne deine zahlreichen verletzungsbedingten Rückschläge.

Auch die haben mich geprägt. Wie gehst du damit um? Die erste schwere Verletzung war der Megaschock. Ich stand kurz vor der Heim-EM im erweiterten Kader des Nationalteams, ich war noch nie schwerer verletzt. Im ersten Moment weißt du nicht, was du tun sollst, immerhin ging es bis dorthin nur bergauf. Mit den anderen Verletzungen ging ich viel gelassener um. Jetzt kann ich sagen, dass auch ich davon profitiert habe. Es hat alles seinen Sinn und gehört zum Leistungssport dazu. Irgendwann werde ich wissen, warum ich jetzt zum Fußballspielen aufgehört habe.

Thema: Alles hat einen Sinn. Die Verletzungspausen waren also auch für dich positive Lernphasen.

Richtig, das trifft es auf den Punkt. Es sagt sich oft sehr schnell, aber es ist wirklich so. Es ist ein Prozess, so etwas zu lernen. Ich habe es bei der ersten Verletzung auch noch nicht verstanden. Je mehr man sich damit auseinandersetzt, desto mehr habe ich erkannt, dass es einen Sinn hat. Und um jetzt ganz philosophisch zu werden: Ich glaube, es hat so passieren müssen, dass ich mit dem Fußballspielen aufgehört habe, da es Zeit für einen neuen Lebensabschnitt wurde. Das verletzte Knie steht bei mir immer für die Zukunft. Weil das Knie bei der Bewegung der vorderste Punkt ist, daher steht es für das Zukünftige.

Du beschäftigst dich also auch mit den möglichen seelischen Hintergründen einer Verletzung?

Ich glaube nicht, dass man einfach so krank wird oder sich einfach so das Kreuzband reißt. Es gibt immer einen tieferen Grund, solche Dinge haben auch einen psychosomatischen Grund, da spielt auch die Seele mit. Natürlich bin ich kein Freak, der eine Verletzung bis ins Detail erforscht und unbedingt wissen will, wofür diese genau steht und für das Leben bringen wird. Aber ich bin jemand, der sich über den Zeitpunkt und den Grund Gedanken macht.

Du berichtest in deinem Buch über das enge Korsett, in welches dich der Fußball immer gesteckt hat. Bringt dich die Rolle als Buchautor nicht in eine ähnliche Stresssituation?

Es ist jetzt ganz anders. Ich spreche immer vom selbstbestimmten Leben, das habe ich lange Zeit auch mit dem Fußball gehabt. Ich sage aber ehrlich, dass ich damit im letzten Jahr in Ried und dann in Innsbruck nicht mehr hundertprozentig glücklich war. Ich hatte überall eine schöne Zeit, aber es war nicht mehr genau das, was ich machen wollte. Wahrscheinlich ist die Zeit für mich jetzt sogar noch stressiger, aber es ist selbstbestimmt. Ich kann am Montag in der Früh entscheiden, ob ich jeden Tag eine Buchvorstellung mache oder ob ich die ganze Woche auf der Couch liegen bleibe.

Was ich mich frage ist, wie so viele Autoren überhaupt überleben können?

Was hat dich beim Einstieg ins Autorenleben am meisten überrascht?

Was ich mich frage ist, wie so viele Autoren überhaupt überleben können? Es ist eine extrem harte Branche. Als Hobby, so wie ich es ansehe, ist es genial, weil es Spaß macht und eine Leidenschaft ist. Außerdem bin ich nicht unbedingt darauf angewiesen, dass jedes Buch verkauft wird, das ich produzieren habe lassen. Ansonsten freut es mich, dass ich so viele spannende Persönlichkeiten kennenlernen durfte, die den Horizont mehr erweitern, als so mancher Akteur im Fußball, der nur mit seinem Tunnelblick - so wie ich 20 Jahre lang - unterwegs ist.

+++Was Peter Hackmair bei der Veröffentlichung nervös machte, warum im Fußball-Business zu viel Kohle unterwegs ist und ihm Mario Balotelli leid tut, lesen Sie auf der zweiten Seite!+++

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