starker
 

Ein starker Typ

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  • 08.08.2011 | 11:40 | sport10

    Sich „durchzubeißen“ ist eine Kunst, an der sich viele Hobbysportler versuchen – und oft verzweifeln. Umso größer die Bewunderung für einen wie Christoph Strasser, der gerade als jüngster Sieger des „Race Across America“ Geschichte schrieb.

    Hi, Christoph, wie geht’s? Schon wieder auf dem Rad gesessen?
    Danke, es geht mir ausgezeichnet. Ich fahre auch schon wieder regelmäßig ganz lockere 2 bis 3 Stunden am Tag, habe nur fünf Tage komplett pausiert. Das hilft mir, körperlich wieder fit zu werden, aber auch im Kopf das RAAM immer wieder Revue passieren zu lassen und den Erfolg zu verarbeiten und genießen.
    Aber man sollte eher glauben, wenn man 4.828 km am Stück runterradelt, kann man lang kein Rad mehr sehen.
    Das kommt sicher auf den Rennverlauf an. Bei mir lief es ja so großartig, dass ich sogar im Ziel mein Rad noch gern gehabt habe! Nach drei Tagen Bettruhe bin ich dann sogar schon mit meinem Bike ins Zielgelände gefahren, um noch die letzten Finisher am RAAM zu empfangen.
    Klingt, als wärst du nach dem Sieg ganz locker drauf gewesen?
    Nicht wirklich. Die Tage nach der Ziel­einfahrt waren nicht unbedingt so toll. Nach einem 14-Stunden-Schlaf bin ich irgendwann spät nachmittags aufgewacht und mir tat alles weh. Im Rennen hatte­ ich körperlich kaum Probleme, doch am Tag danach konnte ich kaum stehen, geschweige denn gehen. Es war extrem ungut und schmerzhaft. Die abendliche Siegesfeier konnte ich nur mit Müh und Not durchstehen, die nächsten beiden Abende blieben wir zuhause und feierten im kleinen Rahmen. Nur mein Betreuerteam und ich, dann ist auch immer mehr Freude aufgekommen. Man braucht Zeit, um das Ganze zu kapieren, am meisten freuten mich die vielen SMS und Mails mit Glückwünschen von zuhause.
    Apropos Schmerzen: Dein Ziel hieß eigentlich, „nur gesund“ ins Ziel zu kommen. Ist das tatsächlich gelungen – bist du echt gesund?
    Ja, das ist mehr als gelungen. Ich habe natürlich absichtlich tief gestapelt, einfach deswegen, weil es sich ohne Druck von außen viel leichter fährt. Ich selbst wusste immer, dass ein absoluter Spitzenplatz die logische Folge ist, wenn ich gesund ins Ziel komme. Das Ziel vom Team und von mir war natürlich der Sieg, aber wir waren immer bereit, auf Plan B umzuschalten. Nämlich langsamer, aber dafür sicher anzukommen. Aber beim ersten Anzeichen von gesundheitlichen Problemen hätten wir das Tempo rausgenommen!
    Du hast während der 4.828 km und in den acht Tagen, acht Stunden und sechs Minuten insgesamt nur sieben Stunden ­geschlafen. Hast du dieses Defizit mittlerweile wieder wettgemacht?
    Das dauert länger, als ich mir gedacht habe. Ich schlafe noch immer viel mehr als normal, mindestens 8 bis 10 Stunden pro Tag. Normalerweise muss mich oft zwingen, genug zu schlafen, weil ich eigentlich sofort aufs Rad will. Nun ist das Aufstehen eine brutal zähe Angelegenheit.
    Das heißt aber auch, dass die Regeneration auch mehrere ­Wochen danach noch nicht abgeschlossen ist.
    Die Regeneration nach so einer Monsterbelastung dauert sehr lange. Ich fahre zwar schon wieder locker, aber bis ich wieder richtig Druck am Pedal habe und der Puls bei Belastung wieder sinkt, wird es wohl noch länger dauern. Wie lange, das  kann keiner sagen, ich rechne mit mindestens ein bis zwei Monaten. Spezielle Maßnahmen gibt‘s da nicht, ich schaue auf hochqualitative Ernährung auch mit Nahrungsergänzungen – und natürlich auf viel Schlaf.


    Apropos „Normalzustand“: Auch bei der Ernährung ist während und nach so einem Mons­terrennen eigentlich nichts normal, oder?
    Beim Rennen hatten wir ein super ausgeklügeltes Ernährungskonzept, das habe ich über Jahre hinweg getestet und verfeinert. Die Basis sind Flüssignahrung, Elektrolytdrinks und einige Nahrungsergänzungen. Feste Nahrung esse ich nur zwischendurch in ganz kleinen Mengen. Das hat so perfekt funktioniert, dass mir im Rennen kein einziges Mal schlecht war oder ich zu wenig essen konnte. Die Eckdaten sind etwa 12000 kcal und 24 Liter täglich, verbraucht wurden aber über 15000 kcal. Dadurch habe ich um die 4  Kilo abgenommen – was ein guter Wert ist. Ich habe ja auch im Vorfeld des Rennens ganz bewusst etwas zulegt, damit ich Reserven habe. Mittlerweile habe ich schon wieder alles zugenommen und sogar noch etwas mehr. Eigentlich habe ich den JoJo-Effekt im Eiltempo erlebt! Die Nahrungsumstellung auf normal geht einfach. Die Umstellung von normal auf Rennnahrung in den Tagen vor dem Start ist viel wichtiger und auch schwieriger. Diesmal habe ich in den letzten drei Tagen vor dem Start nur noch Flüssignahrung zu mir genommen – auch nicht ganz lustig.

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